Gesundheitsfürsorge

Liebe Teilnehmer*innen,

Wie wir euch schon mitgeteilt haben, sind alle Kursveranstaltungen erst einmal bis zum 19.04.2020 abgesagt worden. Die gesellschaftliche Entwicklung durch das Corona-Virus ist rasant und wir sind tagtäglich damit beschäftigt.

Die Kitas und Schulen sind geschlossen und die aktuelle Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 der Landesregierung NRW schränkt uns in vielen Bereichen wesentlich ein, um die Infektionsgefahr für alle Mitmenschen zu verringern. (ich habe diese als Anhang beigefügt)

Aktuell lässt sich nicht einschätzen, wie lange dieser Ausnahmezustand bleiben wird, wir werden euch in den Osterferien über unsere weiteren Schritte informieren.

Bitte habt Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Nachholtermine / Ersatztermine anbieten können. Sobald absehbar ist, dass eine sichere Planung durchgeführt werden kann, werden wir euch umgehend benachrichtigen.

Für diejenigen, die sich gerade mit Online-Beratung beschäftigen, haben wir hier einige Informationen zusammengestellt und möchten euch diese zur Verfügung stellen. Und diese Umstellung hat mit unserer gemeinsamen Verantwortung zu tun, einerseits um zur Eindämmung des Virus beizutragen und andererseits für unsere Kund*innen weiter als Berater*innen zur Verfügung zu stehen. 

Wir wünschen Euch, Euren Familien und Kolleg*innen, dass alle gut durch diese krisenhafte Zeit kommen! Solltet ihr selbst Fragen haben, dann beraten wir euch gerne telefonisch

Infos der SG

Liebe Kolleg_innen des SG-Forums,

wir freuen uns über den regen Austausch, die vielen hilfreichen Tipps und Empfehlungen und die kreativen Ideen, die in den letzten Tagen über die Liste ausgetauscht wurden.

Als Fachverband sehen wir es unter anderem als unsere Aufgabe, Sie und Euch über die aktuellsten Entwicklungen zu informieren und wichtige Informationen, hilfreiche Arbeitstools und Informationen zu finanziellen Hilfen in Zeiten der Corona-Krise zur Verfügung zu stellen.

Deswegen möchten wir Sie auf unsere Informationssammlung hinweisen, die Sie auf unserer Webseite unter systemische-gesellschaft.de/news/hier-finden-sie-wichtige-informationen-zum-neuartigen-coronavirus-sars-cov-2-zu-hilfereichen-tools-fuer-die-arbeit-und-informationen-zu-finanziellen-hilfen/ <systemische-gesellschaft.de/news/hier-finden-sie-wichtige-informationen-zum-neuartigen-coronavirus-sars-cov-2-zu-hilfereichen-tools-fuer-die-arbeit-und-informationen-zu-finanziellen-hilfen/> finden.

Die Diskussionen und Fragestellungen sind dabei von großer Bedeutung. Damit wir wissen, was Sie im Rahmen der Corona Krise bewegt und womit Sie diesbezüglich gute Erfahrungen gemacht haben, begrüßen wir Ihren Austausch, Anregungen und Impulse in diesem Forum.

Deswegen freuen wir uns, wenn wir weiter im regen Austausch miteinander bleiben.

Viele Grüße aus Berlin

Annette Müllenbeck und Sabine Stührmann
Geschäftsführung der Systemische Gesellschaft e.V.
Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e.V.

Systemische Gesellschaft e.V.
Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e.V.

NEUE ADRESSE:
Damaschkestr. 4
10711 Berlin

Online-Beratung - DGSF_Newsletter

Quelle: DGSF - Newsletter

Onlineberatung in Zeiten der Coronakrise

Menschliche Nähe trotz räumlicher Distanz Gerade in Zeiten einer Krise sind menschlicher Kontakt und Zuwendung wichtiger denn je. Da kann Medientechnik eine wichtige Brücke bilden und Menschen zusammenbringen ohne das Ansteckungsrisiko zu erhöhen. So ist es gut in diesen Zeiten kreativ Neues auszuprobieren und Menschen über andere Wege als den körperlichen Kontakt nahe zu sein. 

Verlässliche und vertretbare Onlineberatung Immer mehr Berater*innen in der Coronakrise überlegen aktuell, Onlineberatung anzubieten. Das ist nachvollziehbar, denn es liegt ja nahe, auch hier die räumliche Distanz durch Technik zu überwinden. Doch gilt es für professionelle Angebote auch in Krisenzeiten ein Mindestmaß an fachlicher Qualität und datenschutzkonformen Rahmenbedingungen sicherzustellen. Die Ethik-Standards sollten gerade auch in Krisenzeiten nicht aufgeweicht werden, sind doch Menschen in solchen Zeiten besonders überfordert damit, die Qualität von Angeboten und das damit einhergehende Risiko abzuschätzen. Insofern möchten wir hier die geltenden Ethik-Richtlinien der DGSF in den Blick bringen:

„Onlineberatung DGSF-Mitglieder sowie die Fachkräfte mit DGSF-Zertifikat verpflichten sich, eventuell angebotene mediale Beratung (z.B. Onlineberatung/Telefonberatung) in Übereinstimmung mit den Ethik-Richtlinien der DGSF auszurichten. Bei der medial vermittelten Form der Beratung bedarf es dabei der Aneignung grundlegender Kompetenzen in Bezug auf das genutzte Beratungsmedium sowie einer medienspezifischen fachlichen Auseinandersetzung und Reflexion dieser Beratungsprozesse. Die potentiellen Klient*innen sind über das konkrete Beratungsangebot und die vertraglichen Modalitäten vor Beginn der Beratung umfassend zu informieren. Die speziellen Aspekte der geltenden Datenschutzbestimmungen sind angemessen zu berücksichtigen und die dafür notwendigen sicherheitstechnischen Voraussetzungen entsprechend dem aktuellen Stand der Technik zu schaffen. Quelle: Ethik-Richtlinien der DGSF https://www.dgsf.org/ueber-uns/ethik-richtlinien.htm

Technische und rechtliche Rahmenbedingungen Eine Verschlüsselung der Beratungskommunikation und ein Schutz vertraulicher Daten ist zwingend notwendig. Berufsgeheimnisträger müssen seit 2018 darüber hinaus nach § 203 Abs. 4 Strafgesetzbuch die beteiligten Technikdienstleister (etwa Betreiber von Kommunikationsdiensten, Beratungsplattformen, Messengerdiensten) zur Geheimhaltung verpflichten. Viele Angebote, die möglicherweise für Videokonferenzen oder Videolehre vertretbar sind, erfüllen nicht die ethischen und rechtlichen Anforderungen an sichere und datenschutzkonforme Medientechnik bei vertraulicher Onlineberatung. Anbieter, die unter deutsches/europäisches Recht fallen, sind hier vorzuziehen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine Liste mit zertifizierten Videodiensteanbietern veröffentlicht, die in der kassenärztlichen Versorgung verbindlich ist. Hilfreiche Links dazu und zu weiteren Aspekten siehe unten.

Professionelle Onlineberatung Onlineberatung als schriftliche Form der Beratung unterscheidet sich durch die so genannte Kanalreduktion von Face-to-face-Beratung grundlegend. Hier kann es nicht nur leicht zu Missverständnissen kommen, die in der technikvermittelten Kommunikation nicht offenkundig werden, sondern auch die Beziehungs- und Prozessgestaltung der Beratung unterscheidet sich erheblich. Wer Onlineberatung professionell anbieten möchte, sollte neben einer

grundständigen Beratungsweiterbildung auch Zusatzqualifikationen in dieser Beratungsform mitbringen.

Beratung per Video oder Telefon Wir raten zur kurzfristen Überbrückung in der Krise eher Videositzungen oder Telefongespräche zu nutzen, wenn es keine Qualifikation in Onlineberatung gibt. Diese Beratungsformate unterscheiden sich von Face-to-face-Sitzungen zwar ebenfalls, durch die zusätzlichen nonverbalen Kommunikationskanäle eignen sie sich aber eher für einen kurzfristigen Einstieg im Settingswechsel als die schriftbasierte Onlineberatung.

Handreichungen von Hochschulen zu Onlineberatung / Blended Counceling Unser Kooperationspartner, das E-Beratungsinstitut der Technischen Hochschule Nürnberg hat zu diesen Fragen ausführliche Hinweise unter folgender Adresse veröffentlicht: https://www.e-beratungsinstitut.de/start/onlineberatung-handlungsempfehlungen-corona2020/  Ein weiterer Kooperationspartner, das Institut Beratung, Coaching und Sozialmanagement der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz, stellt konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis zur Verfügung, am Beispiel „Blended Counceling in der Suchtberatung“: http://www.blendedcounseling.ch/forschung_entwicklung/2019_Handlungsempfehlungen_BC_AUSZUG_Schlus sbericht.pdf

Weitere hilfreiche Links zur Qualifizierung https://soziale-arbeit.digital  https://onlinecoachingblog.net  http://www.blended-counseling.ch  https://www.e-beratungsinstitut.de  https://www.e-beratungsjournal.net  http://www.vertraulichkeit-datenschutz-beratung.de/gesetzestexte.htm  https://www.kbv.de/media/sp/Liste_zertifizierte_Videodienstanbieter.pdf  https://www.bsi-fuer-buerger.de https://www.bsi.bund.de https://www.datenschutz.de

 

Datum: 20.03.2020 Version: 1.0 Autoren: Emily Engelhardt, Nürnberg und Dr. Joachim Wenzel, Mainz

 

Fachgruppe Onlineberatung und Medien der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e.V. (DGSF) https://www.dgsf.org/ueber-uns/gruppen/fachgruppen/online-beratung 

ConSpect_Online-Beratung: Update 29.03.2020

Erste Ideen von ConSpect_:

Wie kann es gelingen, eine systemische Beratung digitalisiert durchzuführen?

 Möglichkeiten mit den Teilnehmenden unter dem Aspekt des Datenschutzes sind zu klären:

  • Einzelberatung per Telefon,
  • Einzelveratung per Video-Chat
  • Video-Chat mit Gruppen
  • Schriftliche Einzelberatung per webbasierter Mail

 Welche Hard- und Software und Verträge stehen zur Verfügung?

  • Smartphone; Mobilfunk oder Festnetz
  • Notebook; PC
  • WLan-Verbindung
  • Internetflatrate

Eine vertrauliche Kommunikation muss sicherstellen, dass der Datenschutz eingehalten wird. Daher ist der Einsatz spezieller Software notwendig. Aktuell wird von dem Anbieter Therapsy die Software kostenlos unter www.therapsy.at angeboten.

Die Nutzung von Dienstanbietern, die in ihren AGB`s Profildaten sammeln sollte ein Tabu sein.

Ein weiterer Anbieter ist der wire-Messenger, der vollständig Ende zu Ende verschlüsselt und in Berlin programmiert wird. Hierzu sollten aber weitere Informationen noch eingeholt werden.

Hinweis: Der Provider sollte im Geltungsbereich des eutopäischen Datenschutzrechtes tätig sein.

 

Vorbereitung, Setting und Absprachen

  • Vereinbarung mit den Kund*innen zur Online-Beratung treffen
  • Hinweis auf Datenschutz
  • Eigene Selbstreflektion – was ist für mich als Berater*in ein gutes Setting?
  • Wie sollte ich mich darauf vorbereiten?
  • Welche Fragen habe ich an den/die Ratsuchende?
  • Wie hat sich der/die Kund*in darauf vorbereitet?
  • Welcher Zeitpunkt, Ort, Dauer etc. wurde mit den/die Ratesuchenden vereinbart?
  • Welche Dauer wird für die Beratung eingeplant?
  • Was wünscht sich der/die Kund*in für eine Form der Beratung? (Telefon, Mail, Video?)
  • Welche Kosten fallen für den/die Kund*in an?

Systemische Gesprächsführung online:

  • Joining
  • Was hat sich in der Zwischenzeit verändert?
  • Was war gut? Was sollte sich noch verbessern? Welche Ideen gibt es dazu?
  • Welche Fragen haben sich ergeben?
  • Welches Thema ist heute besonders wichtig? (Anliegen klären)
  • Beratungsfrage erarbeiten
  • Rückmeldung der Berater*in: was sie verstanden hat!
  • Neugierig bleiben und weiter nachfragen
  • Wertschätzung nicht vergessen!
  • Einsatz der konstruktiven Fragetechnik: Wunderfrage, Verschlimmerungsfrage, zeitliche Perspektive, zirkuläre Frage etc.
  • Bei Bedarf: methodischer, imaginärer Einsatz z.B. Skalierung, Systembrett, Metaphern, Hausaufgaben etc. z.B. bei Video-Beratung
  • Welche neue Lösungsideen sind dabei entstanden
  • BeraterIn kann ihre eigenen, unterschiedlichen Ideen zur Verfügung stellen z.B. in Form eines Abschlusskommentars 

Selbstreflektion:

Arbeitsblatt Integratives Qualitätssicherungsmodell (IQSM)  nach F. Eidenbenz und J. Lang nach Eidenbenz, 2009, S. 221 f.

 

1

2

3

4

Emotionalität Welche Emotionen nehme ich wahr? Qualität der Gefühle?

 

nüchtern

 

 

emotional

 

Nähe oder Distanz Wie nahe oder distanziert erlebe ich das virtuelle Gegenüber? (Anrede, Formulierungen)

 

Distanziert

 

 

nahe

Dringlichkeit Wie dringlich ist die Anfrage?

 

Niedrig

 

 

hoch

Problemdruck/Leidensdruck Wie hoch schätze ich den Druck ein?

 

Niedrig

 

 

Hoch

Fragestellung Wie verständlich, klar, diffus ist die Frage?

 

Diffus

 

 

klar

Informationen zur Person Wie viele Informationen (Geschlecht, Stand, Arbeit, Funktion) bekomme ich zur Person?

 

Wenige

 

 

Viele

Informationen zum Kontext Wie viele Hinweise bekomme ich zum Umfeld?

 

Wenige

 

 

Viele

 

Ressourcen Hinweise zu Ressourcen und Einschätzung dieser?

 

niedrig

 

 

hoch

 

Eignung Setting Schätze ich die Frage als geeignet für die Online-Beratung ein?

wenig gut

 

Wenig

 

 

gut

Und hier noch ein interessanter Artikel zur Online-Beratung!

Emily Engelhardt (Online-Beraterin und Online-Ausbilderin) schreibt in:

 e-beratungsjournal.net - Fachzeitschrift für Onlineberatung und computervermittelte Kommunikation

            

1. Konstruktivismus als Ausgangslage

Ausgehend von der Annahme, dass jeder Mensch sich seine eigene Wirklichkeit konstruiert und es somit nicht „eine Wirklichkeit“ sondern vielmehr viele Konstruktionen von Wirklichkeit gibt, wird Beratenden ein wichtiger Hinweis für ihre Arbeit gegeben. Für die Online-Beratung kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Menschen beschreiben Dinge meistens in ganz anderen Worten, als sie diese besprechen würden.

Es geht nicht darum „eine“ Wirklichkeit zu finden, denn dies kann gar nicht glücken, wenn man der Idee des Konstruktivismus nachhaltig folgt. Vielmehr soll es für die Beratenden darum gehen „...Formen der Konversation zu finden, bei denen Klienten sich eingeladen fühlen, für ihre Erzählungen neue Sinnkonstruktionen zu finden, und darüber hinaus ein emotionales Klima zu begünstigen, das die Entwicklung veränderter Ideen und neuer Handlungsoptionen ermöglicht.“ (Klein & Kannicht, 2009, S. 20).

Wie kann dies gelingen? Ist es dafür nötig über viele Rückfragen ein möglichst umfassendes Verständnis über die Gefühls- oder Problemlage des Klienten/der Klientin zu gewinnen, um sich seiner Konstruktion von Wirklichkeit anzunähern? Vor allem ein emotionales Klima zu erzeugen in dem der/die Ratsuchende Kreativität für neue Sichtweisen entwickeln kann und sich dennoch in seiner/ihrer Situation wertgeschätzt und geborgen fühlt, stellt für Online-BeraterInnen eine große Herausforderung dar.

Eine solche Atmosphäre –  man müsste es für die Online-Beratung richtigerweise „Schreib- und Leseklima“ nennen – zu erzeugen kann in der Face-to-FaceBeratung durch „achtsames Zuhören“ (Klein & Kannicht, 2009) gelingen. Hierzu spielen jedoch optisch wahrnehmbare Faktoren eine wesentliche Rolle, wie die Körperhaltung der/des Beratenden oder auch der Einsatz der Stimme. Aspekte, die bei der Online-Beratung per se wegfallen.

Je nach AnbieterIn der Online-Beratung wissen KlientInnen mehr oder weniger gut, wem sie sich öffnen und an wen sie ihre Anliegen formulieren. Viele Angebote richten sich mit anonymen BeraterInnen an ihre Klientel, andere – meist Einzelpersonen – weisen sich auf Ihrer Homepage mit Photo, Lebenslauf und Anschrift persönlich aus.

Dennoch: Der soziale Akt des Aufeinandertreffens wird begrenzt auf Worte, die zumeist (sofern der Erstkontakt nicht im Chat stattfindet) einseitig abgeschickt werden und vom/von der Ratsuchenden mit einem Vertrauensvorschuss dem/der Beratenden gegenüber versehen sind. Er/sie weiß im Moment der Kommunikationsaufnahme noch nicht einmal, ob die Nachricht bei dem/der EmpfängerIn ankommt. 

Im Face-to-Face-Kontakt haben beide Seiten die Möglichkeit einer unmittelbaren Reaktion – sei sie auch non -verbal. Vielleicht wählt ein/e KlientIn aber auch genau auf der Grundlage dieser Unverbindlichkeit eine Online-Beratung als Kontaktform aus. „Achtsames Zuhören“ kann also erst dann beginnen, wenn die Reaktion des/der BeraterIn erfolgt und hier spielt jedes Wort eine gewichtige Rolle und stellt die Beratenden vor die Herausforderung eine angenehme Schreibatmosphäre zu gestalten ohne unmittelbare Korrekturen vornehmen zu können. 

Auch Sprache bzw. die Auswahl von Worten und Sinnzusammenhängen stellen eine Konstruktion dar. Eberhart beschreibt die Komplexität von Sprache in seinem Essay „Beratung und Sprache“ sehr anschaulich, indem er Sprache in verschiedene Kategorien einteilt und hieraus wichtige Hinweise für Beratende und ihren Umgang mit Sprache gibt.

So nennt er als einen wesentlichen Aspekt die Notwendigkeit sich über Rückfragen immer wieder zu vergewissern, ob das, was man als Beratende/r verstanden hat auch das ist, was von dem/der Ratsuchenden gemeint wurde. Denn werden diese „...Fragen aus einer wertschätzenden-neugieriegen Haltung heraus formuliert, dienen sie nicht nur der Klärung des Inhalts. Sie vertiefen die beraterische Beziehung, da der Berater sichtbar macht, dass er sich um Verstehen bemüht“ (Eberhart, 2006, S. 130).

Ist den Beratenden also bewusst, dass ihre Konstruktion der Wirklichkeit – einschließlich der Verwendung und dem Verstehen von Sprache – nicht der ihrer KlientInnen entspricht und daher auch unterschiedliche Wahrnehmungen ins Bewusstsein gerückt werden müssen, kann es ihnen gelingen den Bedürfnissen der Ratsuchenden gerecht zu werden, indem sie ihnen mit angemessener Neutralität begegnen.

2. Neutralität

Eine Konsequenz aus einer konstruktivistischen Weltsicht ist die Haltung der Neutralität, die besonders in der Online-Beratung eine wertfreie und anregende Kommunikations- und Beratungsgrundlage ermöglicht. Neutralität bedeutet aufmerksames Zuhören und Nachfragen ohne eine Position für oder gegen den/die KlientInnen oder weitere im Beratungsprozess eingebundene Personen oder Haltungen/Ansichten/etc. einzunehmen.

Dennoch spielt besonders in der Online-Beratung, in der der Beziehungsaufbau weitaus komplexer und schwieriger zu gestalten ist eine klar konturierte Neutralität eine besondere Rolle. Es ist eben nicht Aufgabe der Beratenden ihren KlientInnen die eigene Meinung oder das eigene Lösungskonstrukt aufzuzwingen, sondern dem/der KlientIn zu ermöglichen, eigene Meinungen zu entwickeln und mit ihnen der eigenen Lösungserfindung näher zu kommen.

Die eigene Meinung zu äußern und als Anregung in den Beratungsprozess einzubringen ist dennoch erlaubt. Neutralität herzustellen bedeutet jedoch in diesem Zusammenhang zu verdeutlichen, dass es die Meinung der beratenden Person ist und das diese ggf. nicht für den Klienten/die Klientin passen wird und muss (v. Schlippe & Schweitzer, 2007). In der Online-Beratung lässt sich dieser wesentliche Kommentar optisch gut erfassbar machen, beispielsweise über die Verwendung einer kursiven Schrift zur Hervorhebung oder über Ausrufezeichen. 

Dennoch gilt auch hinsichtlich der Neutralität in der Online-Beratung die gleiche Grenze oder Einschränkung wie in der Face-to-Face-Beratung: Die Durchsetzbarkeit von Neutralität ist kontextabhängig, d.h. sie hat dort ein Ende, wo ein institutioneller Schutzauftrag oder eine unmittelbare Gefährdung vorliegt – auch wenn die Maßnahmen und Mittel hier aktiv schützend einzugreifen in der Online-Beratung höheren Beschränkungen und Hürden unterliegen.

3. Methodenvielfalt

Die systemische Beratung verfügt über eine Vielfalt von Methoden, die sich gut in das Online-Setting übertragen lassen. Auch wenn sich der visuelle Gesichtspunkt einer Skalierungsfrage online (noch) nicht anwenderInnenfreundlich abbilden lässt (in diesem Zusammenhang gibt es Überlegungen von Online-BeraterInnen z.B. eine „virtuelle Aufstellung“ technisch umzusetzen), so ist es über diese Art der Frage möglich, viele Informationen abzurufen und anregende Interventionen einzuleiten.

Auch kann über die Skalierung eine Art ritualisierte Form der Selbsteinschätzung durch den Klienten/die Klientin vorgenommen werden, indem er/sie zum Beispiel am Anfang oder Ende jeder Nachricht an den/die BeraterIn kurz seine/ihre aktuelle Stimmung in Form einer Zahl zwischen Null und Zehn angibt und sich hierbei noch einmal selbst reflektiert und wahrnimmt.

Anknüpfend an die Idee einer konstruierten Wirklichkeit, die von jedem/r BetrachterIn anders entworfen wird, kann über Skalierungen eine Annäherung an ein gemeinsames Verständnis von Wirklichkeit erfolgen.

In anderen Worten: Über die Verwendung einer Skala kann der/die Beratende frühere Aussagen der/des KlientIn aufgreifen und in Beziehung zur aktuellen Stimmungslage setzen. Der direkte Verweis auf eine früher geschriebene Nachricht kann hierbei unterstützend wirken, da der/dir Ratsuchende die Möglichkeit hat noch einmal nachzulesen, was seinerzeit formuliert wurde und damit auch hineinzufühlen in die damalige Situation.

Auch Online-BeraterInnen werden ein Teil des KlientInnen-Systems. Die Annahme liegt nahe, dass man vielleicht noch unmittelbarer zum System dazugehört, da man noch direkter in die Lebenswelt des/der KlientIn eindringt, da die Beratung in der Regel dort stattfindet, wo der/die KlientIn sich aufhält: bei ihm/ihr Zuhause, wo der Rechner steht von dem aus auf die Online-Beratung zugegriffen wird und vor allem jederzeit abgerufen und ohne Termindruck in Anspruch genommen werden kann.

Gleichzeitig findet eine Distanzierung und Anonymisierung statt, da der/die BeraterIn physisch nicht vor Ort ist – wohl aber seine/ihre Worte, die durch die Verschriftlichung der Beratung auch dauerhaft und immer wieder nachlesbar bleiben. Mit dieser kontextuellen Dualität kann der/die Beratende arbeiten und über zirkuläres Fragen das KlientInnen-System in den Beratungsprozess einbeziehen.

Die Einladung, die eigene Perspektive zu verlassen und eine neue

BeobachterInnenperspektive einzunehmen setzt in KlientInnen über das Äußern von Vermutungen darüber, was oder wie der/die Andere denkt, neue Denkprozesse in Gang. Die in einem asynchronen OnlineSetting gegebene „Entschleunigung“ der Beratung lässt den KlientInnen hierbei viel Zeit und Raum, um sich in andere Personen und Perspektiven hinein zu fühlen und die Erfahrungen niederzuschreiben, gegebenenfalls zu korrigieren oder zu erweitern.

Zur Reduktion von Komplexität, die in der Online-Beratung besonders durch lange, teils unübersichtliche Texte entstehen kann, empfiehlt es sich durch Priorisierung Übersichtlichkeit und Struktur zu erzeugen.

Besonders in asynchronen Beratungsformen, in denen KlientInnen teils sehr ausführlich ihr Anliegen oder ihre Stimmung beschreiben oder sehr detailliert Erlebtes wiedergeben, hat der/die Beratende keine Möglichkeit direkt regulierend einzugreifen, wie es in de Face-to-Face-Beratung der Fall ist.

Den Schreibfluss des/der KlientIn zu unterbrechen und auf wesentliche Aspekte zu fokussieren kann hilfreich sein – es kann jedoch auch Irritationen oder gar Kontaktabbrüche hervorrufen, wenn sich der/die KlientIn zum Beispiel nicht mehr wertgeschätzt fühlt. Hierbei vorsichtig zu intervenieren und zu verdeutlichen, warum eine Reduktion der Komplexität notwendig ist, um den Beratungsprozess zielführend zu gestalten ist wesentlich, um das Vertrauen des/der KlientIn zu behalten. Eine mögliche Form könnte beispielsweise sein: 

 „Ich nehme deutlich wahr, dass Ihnen sehr vieles auf der Seele liegt und ich habe den Eindruck, dass Ihnen das Niederschreiben hilft und Sie etwas entlastet. Ich würde dennoch gern versuchen mit Ihnen aus der Vielzahl an Themen und Ereignissen, die Sie hier ansprechen, die derzeit drei wichtigsten herauszufiltern. Wenn Sie sich festlegen müssten: welche drei Punkte beschäftigen Sie derzeit am allermeisten?“ 

Über diese Intervention wird auf der einen Seite anerkannt, dass der/die KlientIn einen Weg gefunden hat, sich auszudrücken und zu entlasten, auf der anderen Seite wird jedoch auch der Auftakt für eine Priorisierung der Anliegen und eine damit verbundene Auftragsklärung gemacht.

 Unzählige weitere Methoden ließen sich auflisten:

  • Das Reframen von Aussagen oder Ereignissen,
  • das Erteilen von Hausaufgaben oder Arbeitsaufträgen – ganz im Sinne der systemischen Grundannahme, dass das Wesentliche zwischen den „Sitzungen“ geschieht –,
  • der Einsatz von metaphorischer Sprache oder gar der Versuch die Wunderfrage einzusetzen.
  • Allen bleibt in der Online-Beratung gemeinsam, dass es vor allem Sache des/der BeraterIn ist einzuschätzen, welche methodische Intervention hilfreich und anregend sein könnte und diese so einzuführen, dass sie den Möglichkeitsrahmen des Online-Settings nicht sprengt. Kreativität in der Umsetzung ist hierbei ebenso gefragt wie ein fachlicher Austausch der Beratenden untereinander in Form von Fallbesprechungen und Supervisionen.   

4. Lösungsorientierung und Kurzzeitinterventionen

Kaum ein Satz wird im Zusammenhang mit systemischer Beratung so häufig zitiert wie die Aussage Steve de Shazers: „Problem talk creates problems, solution talk creates solutions“ (v. Schlippe & Schweitzer, 2009, S. 35). Das Gleiche ließe sich über „problem writing“ und „solution wirting“ sagen (s.a. nächstes Kapitel in diesem Artikel). Eine Online-Beratung sollte sich deutlich von einer Online-Therapie abgrenzen – nicht zuletzt, um bei denen, die sie in Anspruch nehmen, keine falschen Erwartungen zu wecken oder sie denken zu lassen, alle ihre Anliegen ließen sich komplett auf diesem Wege lösen.

Online-Beratung soll in diesem Zusammenhang als für sich stehende Form der Beratung verstanden haben, die jedoch eine sinnvolle Ergänzung zu konventionellen Beratungsangeboten und auch zu Therapien sein kann. Sie wird jedoch nicht als ein ausschließlicher Weg verstanden auf dem eine Therapie stattfinden soll.

Online-Beratung: Infos aus dem SG-Forum

Beiträge zu Online-Coaching & Virtuellem Coaching
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Coaching über digitale Kommunikationskanäle gewinnt aktuell enorm an Bedeutung. Wer sich einen Überblick über die Möglichkeiten des Online-Coachings verschaffen möchte, findet im Coaching-Magazin zahlreiche Artikel zum Thema: www.coaching-magazin.de/themen/online-coaching <www.coaching-magazin.de/themen/online-coaching>

Hierunter finden Interessierte Beiträge zu Themen wie

- Coaching über Skype. Was gilt es beim Coaching via Skype zu beachten? Eine Studie gibt Aufschluss.
www.coaching-magazin.de/wissenschaft/coaching-ueber-skype <www.coaching-magazin.de/wissenschaft/coaching-ueber-skype>

- Coaching im Digitalen Wandel. Teil 1: Wie verändern sich Branche und Markt?
www.coaching-magazin.de/beruf-coach/coaching-digitaler-wandel-teil-1 <www.coaching-magazin.de/beruf-coach/coaching-digitaler-wandel-teil-1>

- Coaching im Digitalen Wandel. Teil 2: Welche Potenziale birgt Virtual Reality?
www.coaching-magazin.de/beruf-coach/coaching-virtual-reality <www.coaching-magazin.de/beruf-coach/coaching-virtual-reality>

- Der Einsatz digitaler Medien im Business-Coaching. Fähigkeiten, Motivation und Folgeerwartungen.
www.coaching-magazin.de/wissenschaft/digitale-medien-coaching <www.coaching-magazin.de/wissenschaft/digitale-medien-coaching>

Liebe Grüsse
Stefan Günther

 

Unsere Weiterbildungen:

Systemische Beratung MS XV 1.Jahr 07.06.2020 18.06.2021 2.250,00
Systemische Beratung MS XV 2.Jahr 09.09.2021 23.06.2022 2.200,00
Systemische Supervision SUP III 01.10.2020 24.03.2022 3.850,00
Systemische Therapie & Gesundheitscoaching 06.11.2020 24.06.2022 3.250,00

Bei allen Weiterbildungen fällt eine Verwaltung- und Anmeldegebühr in Höhe von 50,00 Euro an.

 

News zur Weiterbildung"Systemische Beratung" 

Im ersten Jahr mit dem Grundmodel „Systemische Beratung“ richtet sich der Fokus auf die systemisch, lösungsorientierte Haltung in der Beratung.                                 

Innerhalb dieses Moduls vermitteln wir in den Seminaren einerseits die grundlegenden theoretischen Konzepte und andererseits erste methodische Ansätze für eine systemische Gesprächsführung wie z.B. konstruktive Fragen, Reflecting Team, Skalierung und systemisch-lösungsorientierte Biografiearbeit.

Im zweiten Jahr der Weiterbildung mit dem Zertifizierungsmodul „Systemische Beratung (SG)“ lernen Sie weitere Methoden kennen. Hierzu gehören z.B.: Systembrett, systemisches Arbeiten mit Metaphern und Skulpturen, Co-Beratung, Timeline, Abschlusskommentar, Hausaufgaben sowie Umgang mit Krisen und Gefühle im Beratungsprozess.                                                           

Ein wichtiger Bestandteil unserer Curricula sind in beiden Modulen die Lehrsupervisionen und Workshops zur Selbsterfahrung.

Die Seminare, Lehrsupervisionen und Workshops finden jeweils in der Zeit von 09.00 Uhr - 17.30 Uhr statt; Ausnahmen werden gesondert angeführt.

Da die Weiterbildung in zwei Module unterteilt ist, besteht entsprechend die Möglichkeit, für jedes einzelne Modul einen Bildungsscheck zu beantragen.

Wir sind ein anerkanntes Bildungsinstitut nach dem Arbeitsförderrecht, sodass Sie die Möglichkeit haben, Bildungsurlaub bei Ihrer Institution zu beantragen.

Nach dem Abschluß beider Weiterbildungsgänge haben Sie die Möglichkeit, einen Weiterbildungsnachweis „Systemische Beratung (SG)“ der Systemischen Gesellschaft zu beantragen.

Das Conspect-Zertifikat „Systemische Beratung“ ist Zugangsvoraussetzung für die Aufbaumodule "Systemische Therapie & Gesundheitscoaching" (SG) und „Systemische Supervision“ (SG).

Unser Institut ist ein anerkanntes Weiterbildungsinstitut der Systemischen Gesellschaft (SG).