Präambel

ConSpect versteht sich als Institut, das fachliche Qualität, Reflexionsfähigkeit und ethische Verantwortung verbindet. Sprache ist dabei nicht neutral, sondern prägt Wahrnehmungen, Beziehungen und Machtverhältnisse. Dieses Positionspapier formuliert Grundhaltungen und Leitlinien für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch in allen Arbeitsfeldern von ConSpect.

Leitbild

ConSpect ist ein Institut für Beratung, Supervision & Systemische Weiterbildung, Qualifizierung und Konzeptentwicklung mit einem klaren professionellen, menschenrechtsorientierten und reflexiven Selbstverständnis. Unsere Arbeit richtet sich an Fachkräfte, Organisationen und Systeme, die mit Menschen in herausfordernden Lebenslagen arbeiten.


Wir verstehen Vielfalt als gesellschaftliche Realität und Ressource. Diskriminierung – ob strukturell, institutionell oder interaktional – widerspricht unserem fachlichen Anspruch. Sprache ist dabei ein zentrales professionelles Werkzeug und zugleich ein Ort von Macht, Zuschreibung und Wirkung.

Dieses Leitbild- und Positionspapier formuliert die Haltung von ConSpect_ zu diskriminierungssensibler Sprache. Es dient als Orientierungsrahmen für Mitarbeitende, Lehrende, Berater*innen, Trainer*innen sowie für Kooperationspartner*innen und Auftraggeber*innen.

Haltung und fachliche Grundannahmen

Sprache schafft Wirklichkeit.

In der systemischen Beratung verstehen wir Sprache nicht als neutrales Werkzeug, sondern als zentrales Medium, durch das Wirklichkeit, Bedeutungen und Beziehungen konstruiert werden. Wie über Menschen, Probleme und Lösungen gesprochen wird, beeinflusst maßgeblich, welche Handlungsmöglichkeiten sichtbar werden.

 

Sprache lenkt Aufmerksamkeit.

Durch Fragen, Begriffe und Narrative entscheiden wir, worauf der Blick gerichtet wird:

auf Defizite oder Ressourcen, auf Schuld oder Verantwortung, auf Probleme oder Entwicklungsmöglichkeiten. Systemische Sprache öffnet Räume für neue Perspektiven.

Sprache wirkt beziehungsbildend.

Eine wertschätzende, respektvolle und allparteiliche Sprache stärkt die

Arbeitsbeziehung und fördert Vertrauen. Sie anerkennt unterschiedliche Sichtweisen als gleichwertig und macht Vielfalt anschlussfähig.

Sprache ermöglicht Selbstwirksamkeit.

Indem Kund*innen eigene Worte, Bedeutungen und Erklärungen entwickeln dürfen, werden sie als Expert*innen des individuellen Lebens ernst genommen. Beratung unterstützt dabei, hilfreiche Beschreibungen zu finden, die Handlungsspielräume erweitern.

Sprache ist ethisch wirksam.

Systemische Beratung reflektiert den eigenen Sprachgebrauch kontinuierlich. Begriffe werden bewusst gewählt, um Stigmatisierung, Pathologisierung und Machtmissbrauch zu vermeiden.

Grundannahmen

•  Sprache ist nie neutral, sondern formt Wahrnehmung, Beziehung und Handlung.

•  Diskriminierung kann bewusst oder unbewusst erfolgen und auch durch gut gemeinte Sprache reproduziert werden.

•  Selbstbezeichnungen haben Vorrang vor Fremdbezeichnungen.

•  Reflexion und Lernbereitschaft sind zentrale professionelle Kompetenzen.

•  Professionelles Handeln erfordert kontinuierliche Selbstreflexion und Lernbereitschaft.

•  Macht- und Diskriminierungsverhältnisse sind Bestandteil fachlicher Analyse.

Zielsetzung

Ziel dieses Papiers ist es, Mitarbeitenden und Kooperationspartner*innen Orientierung im Umgang mit Sprache zu geben, Diskriminierung zu reduzieren und eine respektvolle, professionelle Kommunikationskultur zu fördern.

Leitlinien für die Praxis

ConSpect verpflichtet sich in allen Arbeitsfeldern zu einem bewussten und reflektierten Umgang mit Sprache und orientieren uns an folgenden Leitlinien:

 

•  Verwendung diskriminierungssensibler und inklusiver Begriffe.

•  Vermeidung historisch belasteter oder abwertender Bezeichnungen.

•  Kontextualisierung diskriminierender Begriffe, wenn ihre Nutzung fachlich notwendig ist.

•  Orientierung an aktuellen fachlichen und gesellschaftlichen Diskursen.

•  Wir verwenden eine respektvolle, diskriminierungssensible und inklusive Sprache.

•  Wir vermeiden Begriffe mit historisch belasteter, abwertender oder ausgrenzender Bedeutung.

•  Wenn diskriminierende Begriffe aus fachlichen Gründen thematisiert werden müssen, geschieht dies kontextualisiert, reflektiert und transparent (z.B. Zitate)

•  Wir prüfen kontinuierlich unsere eigene Sprache und passen sie an fachliche und gesellschaftliche Entwicklungen an.

Umgang mit Fehlern und Irritationen

ConSpect verfolgt einen fehlerfreundlichen Ansatz. Sprachliche Fehltritte werden nicht sanktionierend, sondern als Anlass für Reflexion und Weiterentwicklung verstanden.

Betroffene Perspektiven werden ernst genommen und respektiert.

•  Wir benennen diskriminierende Sprachmuster und ordnen sie fachlich ein.

•  Wir schaffen Räume für Reflexion, ohne Einzelpersonen zu beschämen oder zu exponieren.

•  Betroffene Perspektiven werden ernst genommen und geschützt.

•  Ziel ist die Erweiterung professioneller Handlungskompetenz.

Implementierung

Das Positionspapier dient als Grundlage für:

•  interne Reflexion und Teamprozesse

•  Fort- und Weiterbildungen

•  konzeptionelle Weiterentwicklung

•  Kommunikation nach außen

Qualitätskriterien

1.  Reflexivität

Wir reflektieren kontinuierlich unsere eigene Sprache und deren Wirkung.

2.  Orientierung an Selbstbezeichnungen

Selbstbezeichnungen von Personen und Gruppen haben Vorrang.


3.  Kontextualisierung

Diskriminierende Begriffe werden – wenn fachlich notwendig – ausschließlich kontextualisiert und kritisch eingeordnet.

4.  Fehlerfreundlichkeit

Sprachliche Fehler werden als Lernanlass verstanden, nicht als individuelles Versagen.

Weiterentwicklung

Das Leitbild- und Positionspapier ist ein lebendiges Dokument. Es wird regelmäßig überprüft, reflektiert und bei Bedarf weiterentwickelt, um aktuellen fachlichen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Abschluss

Dieses Positionspapier ist als lebendiges Dokument zu verstehen. Es wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf weiterentwickelt