Qualitätssicherung

Die hier erwähnten Zitate sind Original auf der Homepage der SG zu finden:

Die Systemische Gesellschaft fördert systemisches Denken und Handeln in Beratung, (Psycho-) Therapie, Supervision, Coaching, Organisationsberatung und -entwicklung, Politikberatung, Pädagogik, Seelsorge und Pflege und all jenen Bereichen, in denen es um die professionelle Entwicklung und Gestaltung von Kommunikations- und Problemlösungsprozessen geht.

Die Systemische Gesellschaft hat in einem umfassenden Diskussionsprozess einen Konsens über diese grundlegenden Qualitätsstandards hergestellt, der in verschiedenen Positionspapieren und Weiterbildungsrichtlinien festgehalten ist. Die Qualitätsstandards der Mitgliedsinstitute sind einheitlich und wechselseitig anerkannt, so dass ein Übergang von einem Institut zu einem anderen grundsätzlich problemlos gewährleistet ist.

Zertifizierung

Auf der Basis der Rahmenrichtlinien vergibt die Systemische Gesellschaft zur Zeit Zertifikate für Absolventinnen und Absolventen systemischer Aus- und Weiterbildungsgänge in Systemischer Therapie, Beratung, Supervision, Coaching sowie Kinder- und Jugendlichentherapie.

Auch die Lehrenden an den Weiterbildungsinstituten benötigen eine eigene Zertifizierung gemäß den Rahmenrichtlinien der Systemischen Gesellschaft, um einen Weiterbildungskurs verantwortlich durchführen zu können.

Die SG-Institute verpflichten sich, mindestens 75 % der dozentenbegleiteten Weiterbildungsstunden des Curriculums mit zertifizierten SG/DGSF-Lehrenden zu besetzen.

Informationen zu den SG-Zertifikaten finden Sie hier.

Ethikrichtlinien

Ethische Richtlinien eines Berufsverbandes unterstützen die kritische Auseinander­setzung mit der eigenen Haltung. Sie fördern den innerverbandlichen Diskurs über Ethik im Allgemeinen und ethisch vertretbares professionelles Handeln im Speziellen. Sie sorgen auf diese Weise für den Schutz der Klientinnen und Klienten vor unethi­schem Verhalten. Sie bieten eine Grundlage für die Klärung von Beschwerden und Konflikten.

Die Systemische Gesellschaft und ihre Mitglieder nehmen sich als Akteure in gesell­schaftlichen Zusammenhängen wahr, die bewusst Einfluss nehmen sowohl auf die Weiterentwicklung von fachlichen Standards wie auf sozial-, gesundheits- und gesellschaftspolitische Rahmenbedin­gungen ihrer Tätigkeit. Sie sind sich bewusst, dass auch in diesen Bereichen sowohl Handeln wie Nichthandeln seine Konsequen­zen hat.

Mit der Beantragung eines Zertifikats der Systemischen Gesellschaft verpflichten sich die Antragsteller auf Einhaltung der Ethik-Richtlinien in der jeweils gültigen Fassung. Wenn in den folgenden Richtlinien „Mitglieder der Systemischen Gesellschaft“ genannt sind, so sind damit in jedem Fall auch die Inhaber von Zertifikaten der Systemischen Gesellschaft gemeint.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der SG

www.systemische-gesellschaft.de

Was ist systemisch
Vor dem systemischen Denkhintergrund werden Menschen als autonom und prinzipiell unverfügbar betrachtet. Sie bleiben füreinander in sozialen Interaktionen grundsätzlich undurchschaubar. Sie werden mithin als weder vollständig erfassbar, noch beliebig veränderbar bzw. instruierbar verstanden. Kognition und Kommunikation werden als rekursive Prozesse aufgefasst. Somit weicht das Konzept der Kausalität dem der rekursiven Vernetzung und Multifaktorialität. Erkenntnis wird als beobachterabhängig verstanden, so dass Objektivität als Kriterium „guten“ Wissens entfällt.                                                                                                                                                                         
Selbst-Expertentum
Statt der immer besseren „Erfassung“ von Individuen und Systemen rückt der Erkennende (Beobachter) und seine persönlichen Hintergründe (Vorerfahrungen, Glaubenssysteme, Tabus und „blinde Flecken“) in den Vordergrund. Systemisch ausgerichtete Therapeut/-innen, Berater/-innen und Supervisor/-innen gehen von der Autonomie der Rat- und Hilfesuchenden aus und betrachten diese als „Experten und Expertinnen ihrer selbst“. Dabei wird das individuelle Erleben der Einzelnen als subjektive Verarbeitung ihrer lebensgeschichtlichen, affektiven und kognitiven Beziehungserfahrungen verstanden.                                                                                       
Wirklichkeiten erzeugen
Systemische Praxis fokussiert darauf, wie Mitglieder sozialer Systeme über Handlungen und Sprache Wirklichkeiten erzeugen und diese über spezifische Muster und Interaktionsprozesse aufrechterhalten. Intra- und interindividuelle Probleme werden auf der Ebene kommunikativer Muster und Beziehungsstrukturen sozialer Systeme rekonstruiert (Problemsystem, Kontextualisierung). Interventionen, die auf diese Muster günstig einwirken, lösen Veränderungen aus und tragen zur Problemlösung bei. Dabei kann es sich um die Anregung und Aktualisierung vorhandener kognitiver und interaktioneller Strukturen, um das Überwinden problematischer Muster oder um eine Entwicklungsförderung handeln.  
Beschreibung statt Diagnosen

Im therapeutischen und beraterischen Bereich orientiert sich systemische Praxis am Anliegen der Klienten (Kunde/-innen) und verzichtet auf normative Zielsetzungen und Pathologisierung. Im Rahmen von fürsorglichen und sozial-pädagogischen Maßnahmen knüpft systemische Praxis an die Ressourcen der Beteiligten an, um ethisch vertretbare Zustände herbeizuführen.

Systemische Praxis verfolgt gemäß ihrem theoretischen Ansatz weder das Ziel, die Probleme diagnostisch zu erkunden und zu klassifizieren, noch sie kausal zu verändern. Vielmehr versucht sie, im Dialog mit den Betroffenen Beschreibungen zu entwickeln, die die Möglichkeiten aller Beteiligten, wahrzunehmen, zu denken und zu handeln, erweitern. Sie sucht also nach Bedingungen, mit deren Hilfe die Klienten ihre Ressourcen aktivieren können, um in Selbstorganisation zu ihren Zielen gelangen zu können.

Ressourcen und Ziele

Seelische Probleme und Störungen werden in der systemischen Therapie nicht als innerpsychische „Krankheit“ beschrieben, deren tief in der Vergangenheit liegende Ursachen es zu ergründen gilt. Sie sind auch kein Anlass, den Betroffenen darin zu bestärken, er sei das arme Opfer schwieriger Umstände.

Stattdessen kann ein Problem als Herausforderung gesehen werden, wodurch beim Betroffenen und den bedeutsamen Personen in seiner Umgebung neue Kräfte geweckt werden können – und auch geweckt werden wollen. Es wird von dem ausgegangen, was er selbst verändern will und was sich auch verändern lässt. Statt Resignation, Einengung und Selbstmitleid liegt der Schwerpunkt auf der Anerkennung bereits vorhandener Fähigkeiten, auf Zukunftsperspektive und Selbstbestimmung, auch bei scheinbar aussichtslosen Problemen.

Festgefahrenes in Bewegung bringen

Im zwischenmenschlichen Miteinander entstehen Muster. Diese können hilfreich sein, sie können aber auch als problematisch erlebt werden. Im systemischen Ansatz tritt die Ergründung der Ursachen dieser Musterentstehung und -erhaltung eher in den Hintergrund und es wird versucht, diese Muster zu “verstören”, damit sie nicht wie gewohnt ablaufen und sich neue bilden können.

Im systemischen Therapie- bzw. Beratungsprozess wird eine Meta-Stabilität geschaffen, in der Vertrauen und das Gefühl von Sicherheit entstehen können. Innerhalb dieses stabilen Rahmens werden festgefahrene Denk-, Erwartungs- und Verhaltensroutinen, die das festgefahrene, unerwünschte Muster nähren, verstört.

Muster entstehen sowohl in den gewohnten „Systemen“ unserer sozialen Welt, wie Familien, Schulklassen, Gemeinden, Teams und Organisationen, als auch in allen anderen Bereichen.

Besonders dort, wo viele Professionen auf Kooperationen angewiesen sind, z.B. im diffizilen Beziehungsgeflecht zwischen Patient_innen, Ärzt_innen und medizinischem sowie psychosozialem Personal hat systemisches Denken Einzug gehalten und breite Anerkennung gewonnen.