Unsere Haltung

Wenn der Mensch seine Umwelt in der Wahrnehmung selbst konstruiert, dann bedeutet das auch, dass Probleme und Ereignisse eigene Lebenswirklichkeiten sind. Ist der Mensch in der Lage, Probleme zu konstruieren, so ist er genauso gut in der Lage Lösungen zu konstruieren. In der systemischen Beratung konzentrieren wir uns daher auf die Fragen nach Ihrem Anliegen und Ihren Zielen. Wir möchten mit Ihnen gemeinsam eine neue Vorstellung entwickeln, wie das Leben ohne Probleme aussehen könnte, was sich dafür ändern müsste und welche Schritte dafür nötig sind.
Wir möchten Sie in der Supervision, Therapie und Beratung hier in Münster und im Umland dabei unterstützen, dass Sie ihre Autonomie ausweiten und stärken, sowie ihre Ressourcen nutzen und erweitern können. 

Unser systemisches Konzept

  • Jeder Mensch ist ein soziales Wesen, mit einer eigenen Identität, welche am stärksten unser Handeln, Fühlen und Denken beeinflusst. Unsere Identität ist aus der familiären Herkunft, lebenslanger Erfahrung und unserem Kontext entstanden.
  • Jeder Mensch hat seine eigenen Kernkompetenzen, die neu aktiviert, weiter entwickelt und kontinuierlich ausgebaut werden können, um Probleme zu lösen.
  • Jeder Mensch hat persönliche Ziele, jeder weiß, wohin es gehen soll. Im Alltagstrott gehen diese Ziele schnell unter, sobald diese wieder bewusst gemacht werden, kann sich der Mensch wieder auf den Weg machen.
  • Jeder Mensch braucht gute Gründe für sein Tun. Jedes persönliche Motiv für unser Denken und Handeln ergeben einen Lebenssinn.
  • Jeder Mensch hat aus seinen eigenen Erfahrungen heraus Leitsätze für sein Leben entwickelt. Diese Grundprinzipien bestimmen unser Verhalten und unsere Konstruktion von der Wirklichkeit.
  • Jeder Mensch nutzt seinen sozialen Kontext, um die entwickelten Lebensstrategien auf Brauchbarkeit zu überprüfen.
  • Jeder Mensch ist prinzipiell autonom und nicht instruierbar. Unsere Entscheidungsstrukturen, unsere Spielregeln, unsere persönlichen Strategien sind Grundlagen für unser Handeln.

Systemische Therapie als Psychotherapieverfahren

  • Systemische Therapie ist ein wissenschaftlich anerkanntes und weltweit verbreitetes Psychotherapieverfahren
    Systemische Therapie ist ein wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren, dessen Fokus auf dem sozialen Kontext psychischer Störung liegt. Sie ist ein Psychotherapieverfahren, das weltweit in der ambulanten und stationären Psychotherapie sowie in der Rehabilitation und in der Prävention zu dem am weitesten verbreiteten Behandlungsverfahren zählt. Sie ist allerdings in Deutschland noch kein sogenanntes Richtlinienverfahren und wird deshalb von den gesetzlichen Krankenversicherungen in der ambulanten Versorgung nicht bezahlt.
  • Systemische Therapie ist vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als evidenzbasiert anerkannt
    Systemische Therapie wurde im Dezember 2008 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) aufgrund ihrer Evidenzbasierung als wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren sowohl für die Psychotherapie Erwachsener als auch für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie eingestuft.
  • Systemische Therapie bezieht Angehörige und weitere Personen in die Behandlung ein
    Systemische Therapie findet nicht nur als Einzeltherapie, sondern häufig als Mehrpersonentherapie statt, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei erwachsenen Patienten. Häufig werden Angehörige oder manchmal auch andere für den Patienten relevante soziale Akteure in die Behandlung eingezogen. Formen sind beispielsweise systemische Paar- oder Familientherapie, systemische Multifamilien-Gruppentherapie oder systemische Gruppentherapie. Der Einbezug von Angehörigen in medizinische und psychotherapeutische Maßnahmen erhöht deren Wirksamkeit empirisch messbar.
  • Sytemische Therapie wirkt schnell, weil sie auf Stärken, Lösungen und Ressourcen fokussiert
    Ziel Systemischer Therapie ist, Patienten dazu anzuregen und zu ermutigen, schnell wieder auf eigenen Füßen zu stehen und ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Deshalb legt Systemische Therapie von Anfang an, oft schon in der ersten Sitzung, besonderen Wert auf Empowerment, Ressourcenaktivierung und Lösungsfokussierung.

Stellungnahme DGSF und SG aus der Ausgabe "DGSF INTERN 2013", Seite 17

Unsere Haltung zu Familienaufstellungen nach Bert Hellinger:

In der letzten Zeit ist es vermehrt zu kontroversen Diskussionen in systemischen Fachkreisen gekommen, welche die Methode der Familienaufstellung nach Bert Hellinger kritisieren und ablehnen. Die beiden großen systemischen Dachverbände SG & DGSF, sowie unsere Kooperationspartner*innen des PPSB - Hamburg haben sich hierzu positioniert. Da sich unsere Haltung dazu uneingeschränkt widerspiegelt, möchten wir hiermit unsere Unterstützung anzeigen.

Weitere Infos dazu unter:

Erklärung des PPSB - Hamburg

Erklärung zum Umgang mit Systemaufstellungen
Systemaufstellungen gehören zur methodischen Vielfalt systemischer Beratungs-, Therapie-, Supervisions-, Organisationsberatungs- und Coaching-Konzepte.

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass bei der Durchführung systemischer Systemaufstellungen ausschließlich die Grundlagen systemischen Denkens und Handelns Anwendung finden. Zu den Grundlagen systemischen Denkens und Handelns zählen wir insbesondere die Theorien der biologischen Erkenntnistheorie (Humberto Maturana), des Konstruktivismus (hier besonders den Aspekt der Kybernetik 2. Ordnung), der sozialen Systeme und deren Kommunikationsdynamik (Niklas Luhmann) und den Wert der historischen Betrachtung in narrativen Konzepten (z.B. PPSB – Hamburg).
Eine diesen Grundlagen nicht entsprechende Haltung in der Arbeit mit Systemaufstellungen ist eine Orientierung an einer höheren bzw. vorgegebenen Ordnung und Wahrheit, bei der Berater*innen/ Therapeut*innen entscheiden, was gut und hilfreich für die Ratsuchenden ist.

Dies lehnen wir als „nicht systemisch“ strikt ab. Sie entspricht weder unserer ethischen noch unserer systemischen Grundhaltung und ruft uns unmittelbar zu einem aktiven Diskurs auf Verbandsebene auf (wehret den Anfängen). Eine solche Haltung verstößt grob gegen die in den Ethikrichtlinien der SG und der DGSF beschriebenen Haltung der Therapeut*innen in der systemischen Beratungs- und Therapiearbeit.


Die Ethikrichtlinien bieten Anhaltspunkte für eine Verortung und eine Abgrenzung von Aufstellungsarbeit innerhalb der SG
Absatz 1, Präambel :
Enthalten ist ein Hinweis auf den Schutzauftrag und speziell auf die Tatsache, dass ein Nichthandeln Konsequenzen hat. Absatz 1 fordert also zum Handeln auf, wenn das Wohl der Klient*innen bedroht ist.
Absatz 2, Geltungsrahmen:
Hier wird darauf hingewiesen, „dass die Ethikrichtlinien für jeden bindend sind, der ein Zertifikat der SG beantragt“.
Absatz 3, Haltung-Qualität und Prozess:
Inhalt ist die Beschreibung des Menschenbildes mit ausdrücklichem Hinweis des Respektes vor der Autonomie des Individuums.
„Mitglieder der SG sind sich bewusst, dass ihr Handeln und Verhalten von ihren eigenen Normen und Werten (nicht etwa von Übergeordneten höheren Werteordnungen) geprägt ist. Sie reflektieren diese, um die Gefahr zu verringern, diese dem Gegenüber aufzudrängen“.
„[…] achten auf die Gleichbehandlung der Geschlechter […].“
Darüber hinaus ist der Hinweis auf die Selbstverpflichtung der Mitglieder der SG zur Selbstreflexion enthalten.


In Bezug auf die systemischen Systemaufstellungen schließen wir uns den Bewertungen des Vorstandes der DGSF von Februar 2003, Köln an. Die Potsdamer Erklärung von 2004 erscheint uns im Rückblick nicht ausreichend zu sein.
Einen Diskurs über die Systemaufstellung finden wir heute, 11,5 Jahre später, erneut wichtig, weil wir erkennen, dass sich die selbsternannten „Aufsteller“ auch heute noch auf ihren Initiator Hellinger beziehen und von sich behaupten, mit einem systemischen Konzept zu arbeiten.

Wir haben außerdem den Eindruck, dass sich trotz deutlicher Distanzierungen der SG in der Vergangenheit, in Teilen des Verbandes eine Praxis weiterentwickelt hat, die den Anschein erweckt, als wären mindestens die schon einmal formulierten Abgrenzungen, sehr unscharf geworden.
Da das systemische Konzept seit einigen Jahren wissenschaftliche Anerkennung erlangt hat, ist es natürlich wichtig, auch die Grenzen zu benennen, die eine Herangehensweise als un-systemisch zu kennzeichnen in der Lage sind. Auch im Aufzeigen von abgrenzenden Kriterien können wir uns sehr gut an dem o.g. Papier der DGSF von 2003 orientieren. Wir möchten dabei jedoch nicht, wie es die DGSF empfiehlt, in eine respektlose Haltung rutschen, suchen aber nach einer eindeutigen und nicht kooperativen Möglichkeit, die es solchen Denkweisen erschwert, weiterhin Einfluss zu haben.
Um eine klare Positionierung zum Umgang mit systemisch orientierten Systemaufstellungen zu ermöglichen, halten wir folgende Haltungsgrundsätze für unumgänglich:
Um einen Transfer in die Praxis zu ermöglichen, ist es aus unserer Sicht hilfreich, die einzelnen Haltungskriterien mit Selbstreflexionsfragen überprüfen zu können.
Der Respekt vor der Individualität der hilfesuchenden Person
Habe ich meine eigene Einbindung in die gesellschaftliche Normativität reflektiert und bin ich offen für alternative Lebensentwürfe?
Der Schutz und die Förderung der Autonomie der hilfesuchenden Person
Habe ich der hilfesuchenden Person ausreichend Unterstützung angeboten beim Nein-Sagen?
Die Unabhängigkeit/Autonomie in der Werteorientierung der hilfesuchenden Person
Habe ich meine eigene Wertestruktur reflektiert und bin ich offen für andere?
Der kritische Umgang mit Macht in der Rolle des professionell Handelnden.
Bin ich mir der Macht, die ich habe, bewusst und was habe ich getan, um mich zu entmachten?
Der Umgang mit professionellem Nichtwissen um die Welt der hilfesuchenden Person und seinem Umgang mit Ihr.
Habe ich konsequent die Haltung des Nicht-Verstehens eingenommen?
Die Erweiterung des Handlungsrepertoires der hilfesuchenden Person
Bin ich daran interessiert, dass Vielfalt im Prozess entsteht und wirke ich gegen die Idee einer einzigen Lösungsmöglichkeit bzw. einer Wahrheit als Ergebnis des Kommunikationsprozesses zwischen den Stellvertreter*innen?
Der Entgegenwirkung mystifizierender Aussagen
Bin ich in der Lage, gruppendynamische Prozesse bei Systemaufstellungen aus dem systemischen Ansatz heraus zu erklären und verzichte ich dabei auf Formulierungen, die den Prozess mystifizieren?
Der Schutz der beteiligten Personen, die als Stellvertreter*innen am Prozess beteiligt sind
Wie begleite ich die Stellvertreter*innen bei den Effekten, die durch die Teilnahme an einer systemischen Systemaufstellung entstanden sind?
Die therapeutische Einbindung der hilfesuchenden Person in langfristige Settings
Habe ich die systemische Systemaufstellung mit der hilfesuchenden Person ausreichend vorbereitet und habe ich das weitere Setting unter fürsorglichen Gesichtspunkten besprochen und geplant?


Wir halten eine verbandsinterne und auch den Mitgliedern der regionalen Institute zugängliche Kommunikation und die Entwicklung klarer Haltungskriterien für unumgänglich.
Sowohl im Zusammenhang mit Regelverletzungen, wie auch für die Diskussionen um die Grenzen systemischen Denkens und Handelns sehen wir in einen angemessenen Umgang die Berücksichtigung von:

 

  • Angstfreier und fehlerfreundlicher Atmosphäre
  • Zuständigkeitsfragen, Hierarchien
  • Respekt und Klarheit in der Benennung von Konflikten
  • Bereitschaft, Kritik anzunehmen

 

Hamburg, 22.11.2014
Das Team des PPSB-Hamburg
Harald Ott-Hackmann
Brigitte Ott
Rainer Käsgen
Dr. Heike Schader
Tim Käsgen
Maren Sagebiel
Ilka Suhren
Miriam Moritz

Heidi & Bernd Surhove ( ConSpect - Münster)